Die Haskell Free Library und das Opernhaus: Ein Symbol der grenzüberschreitenden Verbindung in Gefahr
Die Haskell Free Library und das Opernhaus, ein beeindruckendes viktorianisches Bauwerk, zeichnet sich nicht nur durch seine architektonische Eleganz aus, sondern auch durch seine einzigartige geografische Lage. Teilweise in Stanstead, Quebec, und teilweise in Derby Line, Vermont, bietet die Bibliothek ein liberales Grenzübertrittsmodell, das es den Bürgerinnen und Bürgern beider Seiten ermöglicht, ohne bürokratische Hürden in den Räumlichkeiten zu interagieren. Diese bemerkenswerte Einrichtung wurde im Jahr 1901 von Martha Stewart Haskell, einer wohlhabenden Kanadierin, die einen Amerikaner heiratete, gegründet und symbolisiert eine jahrzehntelange Tradition der Zusammenarbeit zwischen den beiden Gemeinschaften.
Kathy Converse, eine US-amerikanische Freiwillige der Bibliothek, beschreibt die Veränderungen: „Es ist einfach traurig.“ Nach einem verheerenden Vorfall in der Nähe, bei dem ein US-Grenzschutzbeamter während einer Verkehrskontrolle erschossen wurde, hat sich jedoch die Grenze für die Besucher dieser Bibliothek schlagartig verändert. Anwohner und Touristen, die zuvor ungehindert zwischen den beiden Ländern wechseln konnten, sehen sich nun gezwungen, formelle Grenzübergänge zu nutzen.
Diese neue Regelung, die für die Kanadier bedeutet, dass sie nicht mehr die US-Bürgersteige zur Erreichung des Haupteingangs nutzen dürfen, wurde von den US-Behörden als Reaktion auf „Schmuggel und illegale Aktivitäten“ in der Nähe der Bibliothek eingeführt. Sylvie Boudreau, die Präsidentin des Bibliotheksvorstands und ehemalige Mitarbeiterin der Canadian Border Services Agency, findet die Maßnahme unangemessen. „Es macht für mich keinen Sinn, dass die Bibliothek aufgrund eines kleinen Bürgersteigs einen so großen Einfluss auf die Grenzsicherheit hat“, erklärt sie.
Jody Stone, der Bürgermeister von Stanstead, unterstreicht die enge Verbindung zwischen den Gemeinden: „Wenn man sich die Gemeinschaft ansieht, könnte man nicht erkennen, dass es sich um zwei verschiedene Länder handelt. Wir teilen Wasser- und Abwassersysteme und unsere Feuerwehren unterstützen einander, wenn es nötig ist.“ Diese betont die Bedeutung eines offenen und kooperativen Ansatzes für die Grenzregion.
Die Reaktionen der Gemeinschaft sind klar: Trotz der neuen Restriktionen bleibt der Wunsch nach Zusammenarbeit und Verständnis bestehen. Stone sagt: „Ich bin stolz darauf, in einer Gemeinschaft zu sein, in der unsere Nachbarn uns ebenso schätzen wie wir sie.“ Die Widersprüche und Spannungen, die sich aus politischen Entscheidungen ergeben, scheinen in den Mauern der Haskell Free Library und des Opernhauses überwunden zu werden. „Hier gibt es keine Seiten, die ergriffen werden“, sagt Boudreau. „Es geht um Lesefähigkeit, Kultur und Freundschaft.“
Ein Spendenbox im Foyer der Bibliothek, die sowohl US-amerikanische als auch kanadische Währung akzeptiert, ist ein weiteres Zeichen für den gegenseitigen Respekt und das Bestreben, eine Lösung für die Herausforderungen zu finden, die die aktuelle politische Landschaft mit sich bringt. Die Hoffnung auf ein baldiges Ende der Restriktionen bleibt bei vielen Bürgern und Freiwilligen bestehen, die sich für den Erhalt des Erbes der Haskell Free Library und des Opernhauses einsetzen.
Inmitten von Veränderungen bleibt die Haskell Free Library ein Ort, an dem Grenzen verwischt werden und die Gemeinschaft, trotz der politischen Differenzen, weiterhin zusammenkommt, um Bildung und Kultur zu fördern.



