Hunderte wehren sich gegen gerrymandierte Neuziehung der Wahlbezirke in North Carolina

Rund um den North Carolina State Capitol: Protest gegen umstrittene Neugliederung der Wahlbezirke

In North Carolina versammelten sich Hunderte von Menschen vor dem State Capitol, um gegen die neu vorgeschlagenen Wahlkreisgrenzen zu protestieren, die ihrer Meinung nach die Stimmen der Wähler zum Schweigen bringen könnten. Die Anwesenden trugen Schilder mit Aufschriften wie „Hört auf zu stehlen“ und „Verteidigt die Demokratie“ und beschuldigten die Republikaner des Betrugs, während die Generalversammlung auf die Genehmigung der neuen Kongresskarten zusteuerte.

Die Protestierenden forderten eine transparente Stimmenvertretung und äußerten Besorgnis darüber, dass die Neugliederungen gezielt zu Gunsten der Republikaner gestaltet wurden. Unter den Demonstranten war Cynthia Morris, die erklärte: „Ich bin hier, um den Diebstahl zu stoppen. Es fühlt sich so an, als ob sie das System zu ihren Gunsten manipulieren, weil sie an der Macht sind und die Mehrheit haben. Ich möchte, dass diese Vertreter ihren Eid auf die Verfassung und auf uns Wähler ehren.“

Daten zeigen, dass North Carolina über eine der umstrittensten politischen Landschaften in den USA verfügt. Das 1. Kongresswahlbezirk des Staates, der derzeit von dem Demokraten Don Davis gehalten wird, gilt als der einzige wettbewerbsfähige Bezirk. Die vorgeschlagenen Karten würden die Umrisse dieses Distrikts zugunsten der Republikaner verändern und zu einer weiteren Polarisierung im politischen Spektrum führen.

Anderson Clayton, der Vorsitzende der Demokratischen Partei von North Carolina, sprach unter den Demonstranten darüber, dass auch wenn die Demokraten nicht über die Stimmen verfügen, um die Republikaner an der Verabschiedung der neuen Karten zu hindern, sie dennoch die Möglichkeit hätten, diese bei den kommenden Wahlen zur Rechenschaft zu ziehen. „North Carolina war immer ein Staat, der gegen parteipolitische und rassistische Manipulationen und Wählerunterdrückung gekämpft hat. Und wir sind stets durchgekommen.“

Die Proteste kamen zu einem Zeitpunkt der anhaltenden sozialen und finanziellen Herausforderungen für die Bürger von North Carolina. Viele Demonstranten forderten die Gesetzgeber auf, sich auf dringendere Themen wie den Haushalt des Bundesstaates zu konzentrieren. „Das wird die Menschen wirtschaftlich treffen,“ äußerte der Protestierende Bob Rodriguez besorgt. „Es wird leider tödliche Konsequenzen haben. Als Bürger habe ich die Verantwortung, meine Stimme zu erheben.“

Braxton Winston, Präsident der North Carolina AFL-CIO, einer Gewerkschaft, die Arbeiter im ganzen Bundesstaat vertritt, erklärte: „Wir sind uns einig, dass wir von der Generalversammlung erwarten, dass sie tatsächlich ihre Arbeit macht, den Haushalt verabschiedet und sicherstellt, dass die Zahlungen für Medicaid und Medicare aufrechterhalten werden. Unsere Lehrer und Polizeibeamten verdienen die Gehaltserhöhungen, die sie benötigen. Aktuell ist das nicht möglich, weil die Generalversammlung die Befehle von Donald Trump befolgt und nicht ihre Arbeit macht.“

Für Morris hat die Thematik eine tief persönliche Dimension. Sie kämpft im Gedenken an ihren verstorbenen Sohn, einen Veteranen, der im Sommer an Krebs starb, weiter für die Demokratie. „Er bat uns, zu versprechen, dass wir seinen Kampf fortsetzen und seinen Eid ehren“, sagte sie.

Nach der Kundgebung zogen die Protestierenden vom Capitol zur Generalversammlung, wo Clayton sie ermutigte, die Büros ihrer Vertreter aufzusuchen und ihnen zu sagen, sie sollten gegen die Karten stimmen.

Gegendemonstranten waren bei der Kundgebung nicht zu sehen. Die republikanischen Führer verteidigten den Neugliederungsprozess und argumentierten, die neuen Karten spiegelten den Willen der Wähler wider. Sie wiesen darauf hin, dass North Carolina Donald Trump dreimal gewählt hatte und es notwendig sei, seine Agenda zu schützen.

In Anbetracht der aktuellen politischen Situation ist die Diskussion über Wählervertretung und die Bedeutsamkeit von fairen Wahlpraktiken relevanter denn je. Der Druck auf die Gesetzgeber, der von Aktivisten und Bürgern ausgeht, könnte entscheidend für die Zukunft der Demokratie in North Carolina sein und als Beispiel für andere Bundesstaaten dienen, die mit ähnlichen Herausforderungen kämpfen.